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150. Jubiläum der Adelaider Liedertafel 1858

"Einzigartiger Beitrag zur Kultur Australiens"

Adelaide   -  Drei Tage lang feierte Adelaide das 150. Jahr des Bestehens der „Adelaider Liedertafel 1858 (ALT)“, dem ältesten Männerchor Australiens, sowie das zeitgleich stattfindende 14. Sängerfest der German Choral Association of Australia. Im Rathaus sangen 13 Chöre aus ganz Australien mit über 450 Sängern, wobei das herausragende Galakonzert auch von der Band der Südaustralischen Polizei und Opernsängern begleitet wurde. Zahlreiche Glückwünsche erreichten die Liedertafel von nah und fern.

Die Feierlichkeiten begannen am 3. Oktober mit einem Empfang des ALT im Parlamentsgebäude Südaustraliens. Hieu van Le, Lieutenant Governor von Südaustralien und Chairman der South Australian Multicultural and Ethnic Affairs Commission, sowie Michael Atkinson, Attorney General of South Australia und Minister for Multicultural Affairs, ehrten den Chor, seinen Präsidenten Peter Reeh und Dirigenten Jonathan Vincent Bligh. Le wie Atkinson hoben dabei den wichtigen Beitrag des Chors zur Sangeskultur in Südaustralien hervor. Einer persönlichen Führung von Atkinson durch das Zwei-Kammern-Parlament folgte in der West Terrace Cemetery ein Gedenkgottesdienst der Sänger zu Ehren des ALT-Mitbegründers Carl Linger. Ein Empfang des Oberbürgermeisters Michael Harbison im Rathaus beschloss den ersten Tag.

Am zweiten Tag traten beim Sängerfest im Rathaus neben der ALT weitere zwölf Chöre nacheinander auf: Heimatchor (Perth, WA), Cäcilienchor (Croydon, NSW), Concordia Choir (Tempe, NSW), Austrian Choir (Canberra, ACT), Chor Alpenfrieden (Adelaide, SA), Harmonie Choir (Canberra, ACT), Liedertafel Arion (Melbourne, VIC), Tanunda Liedertafel (Tanunda, SA), Hahndorf Liedertafel (Hanhdorf, SA), Liederkranz/Liedertafel (Brisbane, QLD), Deutscher Volksliederchor (Adelaide, SA), sowie der Männerchor Sanssouci (Wollongong, NSW). Beim abendlichen Galakonzert sangen dann alle Chöre unter der Leitung von Bligh eindrucksvoll zusammen. Die Band der Südaustralischen Polizei machte mit dem Dirigenten Dr. Kevin Cameron den Abend ebenso zum unvergesslichen Genuss wie die Sopran-Solistin Nina Tschernykow und die Opernsänger Jillian Chatterton, Ernst Ens, Joanna McWaters und Andrew Turner.

Einleitend hatte Mike Rann, Premier von Südaustralien, in seiner Ansprache Bedeutung und Einfluss der Deutschen und Deutschstämmigen in verschiedenen Wirtschaftszweigen Australiens aufgezeigt. So würden heute jede Sekunde 13 Flaschen Wein exportiert, „weil deutsche Siedler dieses Geschäft begannen“. Rann hob den „einzigartigen Beitrag der deutschen Musik zur Kultur Australiens“ hervor und bedankte sich bei der ALT unter Beifall für ihre „wunderbaren Lieder“.

Den dritten Tag eröffnete ein Brunch im Klubhaus des Süd-Australischen Allgemeinen Deutschen Vereins (SAADV). Und ein Gala Dinner im Adelaide Convention Centre rundete die Feierlichkeiten ab, wobei alle Sänger und Freunde diesmal selbst musikalisch bis in die Morgenstunden unterhalten wurden: von den beliebten Radiomoderatoren und Entertainern Herbert Stauber und Herbert Reiter.

Die geschichtlichen Wurzeln der ALT reichen zurück ins Jahr 1844, als es in Adelaide eine Gruppe von neun deutschen Sängern unter der Leitung von Otto Rüdiger gab. Im Jahr 1851 wurde die erste Liedertafel unter Carl Linger gegründet. Diese Gruppe trat nun zunächst dem Männerchor des Deutschen Klubs bei, machte sich aber wieder selbstständig und gründete im März 1858 die heutige Adelaider Liedertafel. Carl Linger blieb Dirigent des Chors.

1810 in Berlin geboren, hatte Carl Linger vor seiner Auswanderung nach Australien im Jahr 1849 Musik studiert und mehrere bedeutende Musikstücke komponiert. In Adelaide gab er dann Musikunterricht und dirigierte mehrere Chöre. 1859 gewann Linger einen Musikwettbewerb mit der von ihm komponierten Melodie zum „Song of Australia“. Linger starb am 16. Februar 1862 in Adelaide. Am Tag seiner Beerdigung blieben aus Respekt vor seinem Lebenswerk die Geschäfte der Stadt geschlossen. 1936 wurde ihm zu Ehren sogar ein Denkmal im West Terrace Cemetery errichtet.

1878 gab die ALT ihr erstes Konzert für die Englisch sprechende Bevölkerung und regte damit die Gründung von englischen Chören an. So wirkten beim 50-jährigen Jubiläum der Liedertafel am 17. September 1908 bereits viele Gastchöre mit.

Der Erste Weltkrieg brachte eine Zäsur, nach der die ALT wieder aufgebaut werden musste. Hermann Homburg, der Bruder des damaligen Dirigenten der Tanunda Liedertafel, Fritz Homburg, brachte die ALT zur neuen Blüte. Auch der Zweite Weltkrieg bedeutete eine Zäsur, denn viel geschichtliches Material ging verloren. Die Originalfahne aber konnte gerettet werden und wurde auch während der aktuellen Feierlichkeiten gezeigt. In den 1950er-Jahren wurde die ALT durch neue Einwanderer verstärkt und das 100. Jubiläum deutschen Sängertums im Klubhaus des SAADV gefeiert.

Bis zum heutigen Tag veranstaltet die ALT öffentliche Konzerte, viele davon für wohltätige Zwecke. Sie nimmt regelmäßig an Sängertreffen in Australien und Übersee teil, tritt in Hörfunk und Fernsehsendungen auf und ist ein weithin bekannter Botschafter für deutsche Kultur und Sangesfreude.

Kombinierte Feiern gab es zuletzt 1978 aus Anlass des 120-jährigen Bestehens der ALT und des vierten Sängerfestes. Die Vorbereitungen der diesjährigen Feierlichkeiten beanspruchten laut ALT-Präsident Reeh zweieinhalb Jahre. „Und die Harmonie war wieder wunderbar.“ Zugleich erhofft sich Reeh eine Stärkung mit jungen Nachwuchssängern. Die nächste große Tour jedenfalls wird die Adelaider Liedertafel im März 2009 nach Tasmanien führen.

Olaf Konstantin Krueger